Mittwoch, 10. September 2014

Anekdoten aus Indien - Teil 2

Indien und der Müll

Da an mir ja doch ein kleiner Öko verloren gegangen ist, ist der Umgang der Inder mit Müll schon etwas, das mich des Öfteren zum Schlucken bringt. Als wir an der Schule ankamen, fiel uns sofort auf, wie präsent dort das Thema „Vermeidung von Umweltverschmutzung“ war. Schüler sollten sich in Projektarbeiten damit auseinandersetzen und wurden in Schulansprachen zu dessen Vermeidung aufgerufen. Wie sehr dieser Gedanke aber erst langsam in den Köpfen entsteht und noch nicht in der Realität angekommen ist, wurde uns erst auf unserem ersten Klassenausflug klar. Als der Bus die erste Rast machte und die Schüler ihr auf Plastiktellern serviertes Frühstück beendet hatten, wurden die Überbleibsel einfach neben dem Bus liegen gelassen. Dies führten wir zunächst auf rüpelhaftes Teenagerverhalten der Zehntklässler zurück. Wäre in dem Alter ja nicht unbedingt ungewöhnlich. J Als jedoch im weiteren Verlauf auch die stellvertretende Schulleiterin und Ordensschwester ihre Alu-Verpackung aus dem Busfenster in die wegen ihrer Schönheit besuchte Natur warf, wurde uns so langsam klar, dass das gedankenlose Fallenlassen von Müll in Indien einfach Usus ist. Die Frage ist bloß: Was ist die Alternative, wenn es kein zentral organisiertes Entsorgungssystem gibt? (Ein Luxus in Deutschland über den ich mir bis jetzt wenig Gedanken gemacht habe.) Man kann hier lange nach öffentlichen Mülleimern Ausschau halten, denn welchen Sinn hat es Müll zu sammeln, da es außerhalb der Städte keine Gesellschaft o.Ä. gibt, die für die Abholung verantwortlich ist? Im Moment bleibt da „Umweltschutz“ leider nur eine bloße Worthülse. Obwohl ich einsehe, dass es nicht Umwissenheit oder Verantwortungslosigkeit des Einzelnen ist, sondern durch die (staatlichen) Strukturen bedingt, gibt einem die Umstellung auf die hiesigen Verhältnisse etwas zu kämpfen. Die Suche nach Abfalltonnen für unseren Hausmüll, bei der wir hinter unser Haus geführt wurden und ihn dort auf das kleine Feld kippen mussten oder der tägliche Geruch von verbranntem Plastik von den Müllfeuern, nach dem wir mal wieder das Gefühl hatten nur noch die Hälfte unserer Gehirnzellen zu besitzen – das sind so Momente, die einen ins Grübeln bringen. 


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